Ausrüstungsverleih | Unser Plädoyer, um neue Sportarten auszuprobieren

Zum Klettern ein Gurt, ein Helm, das Seil, die Expressen, die Kletterschuhe. Zum Skitourengehen Ski, Felle, Schuhe. Zum Klettersteig-Gehen ein Klettersteigset, zum Freeriden Powder-Latten, zum Langlaufen wieder andere Ski, Stöcke und Schuhe, zum Biken ein Fahrrad, zum Rennradeln ein weiteres, für (Ski)hochtouren zusätzlich noch jede Menge anderen Klimmbimm.

Jede, die gerne verschiedene Sportarten betreibt und zusätzlich noch neue ausprobieren möchte, kennt das Problem: Der Kontostand ächzt bei jeder neu ausprobierten Sportart, für die ich Feuer gefangen habe, mehr und mehr.

Ganz zu schweigen von dem Ärger über Fehlinvestitionen, wenn sich herausstellt, dass der neue Sport und ich nicht Freunde werden, oder dass ich mit etwas mehr Praxiswissen eine andere Wahl bei der Ausrüstung getroffen hätte.

Wer sich also keinen Gelddrucker zu Hause hat, noch nicht sicher ist, wie intensiv die neue Sportart betrieben werden soll und noch nicht weiß, ob sich eine eigene Ausrüstung lohnen wird, ist beim Ausrüstungsverleih gut aufgehoben.

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Stefanies erste Skitour

„Wer nicht ordentlich Skifahren kann, hat im Gelände nichts verloren“, hat ein Bergführer mal gesagt, und da „ordentlich“ eine große Interpretationsbreite hat, habe ich mich für das Skitourencamp angemeldet. Der Aufstieg war herrlich – hochstapfen kann ich ausdauernd und mit Begeisterung, auch beim Spitzkehren, Queren und Abfellen bei 70 km/h Wind blieb die Laune ungetrübt, aber dann kam, was eigentlich vorhersehbar war: eisige Brocken lagen natürlich genau da, wo ich mich eigentlich um die nächste Kurve schwingen wollte, und nachdem ich das steilste Stück der Abfahrt irgendwie hinter mich gebracht hatte ohne ununterbrochen auf dem Hosenboden zu sitzen, waren mir die Füße eingeschlafen, weil die Skischuhe die Waden abgequetscht hatten, sodass an „ordentliches“ Skifahren nicht zu denken war. So bequem die Tourenskischuhe beim Aufstieg waren – bei der Abfahrt haben sie meinen dicken Wadeln den Kampf angesagt.

Schuhtest erfolgreich

Als ich bei der Rückgabe der Leihausrüstung das Problem schilderte, sagte der Mitarbeiter der DAV-Servicestelle nur: „Probier doch beim nächsten Mal den Schuh xy, der ist breiter und höher geschnitten!“ Ein Wochenende später dann lief das Unternehmen Skitour mit anderen Schuhen schon um Einiges geschmeidiger und als ich die Leihausrüstung nach der Tour mit glühenden Sonnen-Wangen und vom Skitouren-Angefixt-Leuchten in den Augen beim Ausrüstungsverleih des DAV zurückgab, stellte mein Gegenüber fest: „Du hattest wohl einen ziemlichen Spass heute?“ Und ja, damit hatte er Recht.

Ich glaube, ich mag das Skitourengehen, aber ich mag auch anderen Wintersport sehr gern. Und wenn ich mit mir einig bin, mit welchen Brettern unter den Füßen ich den Winter in den Bergen erleben will, spare ich vielleicht auf eine eigene Ausrüstung, vor allem auf gut passende Schuhe. Aber wenn es das Geld nicht in meiner Spardose aushalten sollte, stelle ich einfach wieder meine Skitourenausrüstung im Ausrüstungskatalog der DAV-Sektionen München&Oberland zusammen und gehe weiterhin mit Leihskiern – die brauchen keinen Platz im Flur und frisch vom Service sind sie auch immer!

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Célines Grundkurs Hochtouren

In meiner großen Freude am Bergwandern trieb mich die Neugierde auf Hochtouren schon lange um. Sie waren der logische nächste Schritt, um im Bergsport zu wachsen und mir neue Touren und Gipfel zu erschließen. Aber für mich war auch klar, dass es sich hierbei nicht um eine Sportart handelt, die ich einfach so mal eben ausprobieren kann, nur, weil ich schon mal ein paar Berge hochgelaufen bin und im Zweifel damit meine Begleitung oder mich in Gefahr bringe. Also habe ich mich für einen Grundkurs Hochtouren des DAV angemeldet.

Blieb noch die Frage nach der richtigen Ausrüstung, die sich in einem Wirrwarr aus gefährlichem Halbwissen aus Internetforen und einer ausufernden Produktplatte in Sporthäusern vor mir aufbaute:

  • Was brauche ich alles?
  • Muss ich bei der Wahl etwas beachten?

Ein Blick in die Kurspackliste verriet, dass ich neben der üblichen Wander- und Klettersteigausrüstung, die ich schon besaß, unter anderem auch Eispickel, Eisschraube sowie diverse Karabiner und Schlingen selbst würde mitbringen müssen. Und wer wie ich nicht das Glück hat, sich in einem Freundeskreis oder einer Familie aus vollausgestatteten Bergprofis wiederzufinden, die mit Fachexpertise und kostenlosen Leihgaben parat stehen, findet hier im Ausrüstungsverleih des DAV eine tolle Anlaufstelle.

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Material testen statt gleich kaufen

Allem voran bot er mir die Möglichkeit, überhaupt erstmal einmal auszuprobieren, ob die neue Sportart etwas für mich ist und dann – mit etwas mehr Souveränität und Zeit zum Sparen – die für mich passenden Kaufentscheidungen zu treffen. Wer schon mal eine neue Bergsportart ausprobiert hat, der weiß, dass man seine Freizeit freiwillig abseits jeglichen Luxus und übermäßigen Komforts verbringen und trotzdem für einen viertägigen Anfängerkurs mit Anreise, Hüttenübernachtung und Ausrüstung schnell mal die Dimensionen eines ausgewachsenen All-Inclusive-Sommerurlaubs auf den Tisch legen kann. Wie blöd wäre es dann, wenn man sich ganz nach dem Motto „top gear, no idea“ für viel, viel Geld das falsche Zeug kauft oder es am Ende irgendwo in der Ecke rumsteht und einstaubt! Umso besser, dass es die Möglichkeit gibt, sich alles erstmal zu leihen.

Klar sein muss aber auch, dass einen auch der DAV-Ausrüstungsverleih nicht davon befreit, sich in einem gewissen Maß mit dem auseinanderzusetzen, was man da eigentlich vorhat.

Was sind die richtigen Steigeisen?

Neben mir hatten noch andere ihre Ausrüstung bei verschiedenen DAV-Sektionen ausgeliehen, und als sich unsere Gruppe nach jeweils mehrstündiger Fahrt am Sammelparkplatz der Großglockner Hochalpenstraße endlich zusammenfand, stellte sich heraus, dass mehreren Teilnehmerinnen und Teilnehmern Modelle mit Kipphebel ausgeliehen worden waren, obwohl sie keine steigeisenfesten Schuhe besaßen.

Nun kann man klassisch alpinistisch sagen „Selbst schuld, wer sich vorher nicht anständig informiert und das ‚steigeisenfest‘ auf der Packliste geflissentlich ignoriert oder nicht versteht!“ Die Haltung kann ich durchaus nachvollziehen.

Material für Sommer- und Wintersport

Persönlich bin ich aber der Meinung, dass man einem Anfängerkurs durchaus einen extra Hinweis hätte spendieren können – spätestens auf der Tonspur beim Überreichen des klar ersichtlichen „Anfängerpakets“. In diesem Fall sind wir durch buntes Tauschen von Kipphebel gegen Körbchen schon am Parkplatz zusammengewachsen, und am Ende haben es alle wohlbehalten auf die Hütte geschafft.

Mit der positiven Erfahrung aus dem Sommer habe ich – genau wie Meike und Steffi – im Winter darauf auch für meine ersten Skitouren auf Leihmaterial des DAV gesetzt. Und ich bin sicher, dass ich auch in Zukunft wieder fleißig davon Gebrauch machen werde, wenn mir kurzfristig das Geld für eigenes Material fehlt, ich gerade erst beginne, etwas darüber zu lernen oder einfach noch unsicher bin, wohin die Reise geht. Jetzt spare ich erstmal und schreibe meine Wunschliste fort. Sodass ich irgendwann in ferner Zukunft vielleicht auch mal auf eigenen Tourenski und mit einem eigenen Eispickel unterwegs sein werde.

Meikes erste Skitour

Seit Jahren sagt eine Freundin zu mir: „Meike, du MUSST einfach mit dem Tourengehen anfangen; das ist genau das Richtige für dich!“

4 Jahre hat es gedauert, bis ich es dann endlich mal in die Tat umgesetzt habe. Das Ergebnis:

„Warum habe ich das nicht früher gemacht?“

Dank des Verleihs des DAVs war das ganze Unterfangen auch logistisch gar kein Problem:

am Vorabend der Tour die Ausrüstung online ausgesucht, reserviert, zum DAV hin geradelt, Ski und Schuhe abgeholt, fertig.

Dann eine tolle Tour. Morgens um 6 vor der Arbeit. Mit Sonnenschein und frischem Pulverschnee. Am Abend dann dasselbe rückwärts: hin geradelt, Ausrüstung abgegeben, Glücksgefühl behalten.

Und ich muss es zugeben: zwei Wochen später habe ich es wieder getan. Und wieder habe ich das Glücksgefühl behalten.

Wenn ich irgendwann nicht mehr zum Ausleihen komme, dann nicht, weil die Ausrüstung nicht gut ist oder der Service nicht stimmt sondern, weil man nicht für einen ganzen Winter am Stück ausleihen kann.

 

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{Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit den Sektionen München&Oberland des Deutschen Alpenvereins, die uns die Leihausrüstung kostenfrei zur Verfügung gestellt haben. Herzlichen Dank! }

 

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