Frauen in der Tiroler Zugspitz Arena | Die Skilift-Maschinistin Jacqueline

Auch wenn die Skilifte geschlossen sind und im Moment nur die Stützen ihren Verlauf markieren – lange ist es noch nicht her, dass die letzten Skifahrer über die Pisten der Ehrwalder Almbahn gedüst sind und mit einem der Sessel- oder Schlepplifte wieder nach oben transportiert wurden. Die Skilehrer der Region sind längst in ihren Sommerjobs angekommen, aber diejenigen, die im Winter die Lifte am Laufen halten, werden sich auch den ganzen Sommer über darum kümmern, dass im nächsten Winter möglichst wenige Störungen den reibungslosen Betrieb lahmlegen. Die Munich Mountain Girls Irmi, Anja und Stefanie  haben zum Ende der Saison Jaqueline, die erste Skilift-Maschinistin der Ehrwalder Almbahn, getroffen.

Einzige Frau beim Lift

Wir stehen hinter der Glasscheibe an der Talstation des Issentalkopf-Lifts im Skigebiet Ehrwalder Alm. Jaqueline drückt routiniert auf den Touchscreen vor sich. „Jetzt am späten Vormittag ists warm genug, da regel` ich die Sitzheizung ein bisschen runter.“ und als es im nächsten Moment laut piepst erklärt sie: „Das ist keine Störung, sondern der 1er-Sessel fährt grad ein, der muss drinhängen, sonst fährt die Bahn nicht.“ 1er-Sessel? Sitzheizung? Was macht die Frau da?

 

Sie ist zierlich in ihrer schwarzen Fleecejacke mit dem Logo der Ehrwalder Almbahn darauf, ihr Blick schweift konzentriert entlang der Seile, die hinauf zum Issentalkopf führen. „Im Moment fahren wir Abstand B mit 53 Sesseln. Es ist ja nicht mehr so viel los. Aber der 1er muss immer drin sein, den hängst du als erstes ein.“ Heute Morgen war sie die Erste am Lift, hat Umlauf und Reifen in der Talstation und das Spanngewicht der Seile kontrolliert, und anschließend die 53 Sessel aus dem Bahnhof geholt und eingehängt. Es ist ein ruhiger Tag, viele Besucher ziehen sich nach dem Mittagessen von der Piste zurück, wenn der Schnee zu nass und sulzig wird. Noch dazu geht kaum Wind. Jaqueline hat Zeit, uns ausführlich mit ihrer Begeisterung für ihren Job als „Maschinistin für kuppelbare und fix geklemmte Anlagen“ anzustecken.

Stammgäste und Fans

Sie ist in St. Anton aufgewachsen und der Liebe wegen nach Ehrwald gekommen. Anfangs hat sie im Tirolerhaus an der Kasse gearbeitet und weil sie gemerkt hat, dass die Lifte sie mehr faszinieren als der Verkauf von Nudelsuppen, ist sie erst dorthin an die Kasse gewechselt und hat sich dann beim Betriebsleiter die Erlaubnis abgeholt, die Maschinistin-Ausbildung zu absolvieren. Der Maschinist hat die Verantwortung über die Liftanlage und kümmert sich um die Wartung. „Im Sommer wartet er Stützen, Rollen, Klemmen, Sessel, Sitzheizungen, da ist brutal viel Technik dahinter, die gewartet werden muss. Im Maschinisten-Kurs – der geht eine Woche – hatten wir auch Elektrokurs, Seilbahntechnik, Überwachungstechnik. Du musst wissen, warum bleibt die Bahn stehen, wo schaust du dann nach, wie behebst du den Fehler.“ Jaqueline strahlt, als sie uns von Rollen und Klemmen erzählt, und dann wird ihr Blick von etwas auf der anderen Seite der Glasscheibe abgelenkt. Dort winkt ihr ein Mann, der gerade in den Sessel einsteigt, zu. „Der ist oft da, und wenn er mich sieht, winkt er immer – eine Art Fan.“ bemerkt sie lachend.

Dass eine Frau am Lift arbeitet, sei für viele schon ziemlich komisch. „Meinem Kollegen ist schon sehr aufgefallen, dass die Gäste immer wieder blöd schauen, dass da eine Frau steht.“ Man darf sich nicht von blöden Sprüchen irritieren lassen, auch wenn die Arbeit am Lift vermeintlich eher was für Männer ist, als technikbegeisterte Frau schafft man das locker, davon ist Jaqueline mehr als überzeugt.

Skeptische männliche Kollegen

Jaqueline erzählt, dass es am Anfang nicht immer leicht war als Frau bei den Liftlern. „Viele Mitarbeiter sind schon lange da, ich war mir aber sicher, ich will das, schaff das, mache das.“ Ihr erster Winter ist jetzt vorbei, alles hat reibungslos funktioniert. Das Technische ist für sie überhaupt kein Problem, „das kann doch jeder, egal ob Mann oder Frau, wenn er oder sie will“, und die Verantwortung kann man lernen. „Wir schalten in der Früh die Bahn ein und dann schauen wir als erstes, wie viel Wind wir haben, ob’s überhaupt geht. Letzte Woche hatten wir 20-23 m Wind, da haben wir nicht aufmachen können.“ erzählt sie und deutet dabei auf die Zahlen auf ihrem Monitor, die die Windstärken an den Stützen anzeigen. „Wenn was wäre, zum Beispiel, dass der Windmesser einfriert, muss man schon mal auf die Stütze und den Windmesser enteisen. Diesen Winter hatten wir sehr viele Windtage.“

Wir stellen uns vor, bei eisigem Wind diese hohen Stützen hochklettern zu müssen und finden die Vorstellung nicht besonders erwärmend. „Körperlich anstrengend ist der Job nicht, es spricht nichts dagegen, ihn als Frau zu machen.“ Sagt Jaqueline. „Am Anstrengendsten ist das Schnee schaufeln.“ Na, da wird einem dann wenigstens wieder warm.

 

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Der Sessel-Bahnhof

In der Halle neben der Talstation wohnen die Sessel. In drei Reihen werden sie dort über Nacht aufbewahrt, über eine Automatik „beschickt“ sie derjenige (oder diejenige), der Morgens den Lift in Betrieb nimmt, in der richtigen Reihenfolge in den Umlauf und auf das Seil.

Auf unsere Frage, ob sie selbst auch viel Ski fährt, schüttelt Jaqueline den Kopf. „Ich fahre nach dem Dienst mit der Bahn runter.“ Das Thema Skifahren ist für sie eher Job als Freizeitvergnügen. Aber ein Job, der ihr großen Spass macht und in dem sie sich selbst noch lange sieht. Wenn sich mehr Mädels trauen würden, in so einen Männerberuf einzugsteigen, würde sie sich freuen. Sonne und frische Luft sind garantiert, und abwechslungsreiche Tage ebenso.

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{ Werbung weil Ortsnennung | sponsored Post | die Munich Mountain Girls wurden von der Tiroler Zugspitz Arena eingeladen. Unsere Meinung und persönliches Erleben der Region beeinflusst das nicht. }

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