Ein Tag bei der Bergwacht München

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Hanna (24) arbeitet in der Outdoorbranche, widmet ihre gesamte Freizeit den Bergen - und ist quasi schon ihr ganzes Leben lang dort unterwegs: beim Skitourengehen, Wandern oder Klettern. Seit 2018 ist sie Teil der Munichmountaingirls und freut sich auf unzählige weitere Bergabenteuer!

 

"Worum kümmert sich die Bergwacht, wer darf bei der Bergwacht mitmachen und wie kommt man dazu?"

Seit 1920 leistet die Bergwacht München in den Bayerischen Alpen unverzichtbare Dienste – ehrenamtlich!

Weil wir viel zu wenig darüber wissen, was die Bergwacht überhaupt alles genau macht, klärt Hanna uns auf. Sie war einen Tag lang mit der Bergwacht unterwegs.

Bergwacht München_Munich Mountain Girls Hanna Hörmann 6

Wie arbeitet die Bergwacht?

Alle Mitglieder der Bergwacht arbeiten vollständig ehrenamtlich. Davor habe ich als Bergbegeisterte großen Respekt und möchte mich von ganzem Herzen bei allen Bergwachtlern bedanken, die viel Risiko eingehen, um Bergsportlern und Ausflüglern in Notsituationen zu helfen. In einer Zeit, in der man nichts ohne Gegenleistung bekommt, setzen sich die Bergwachtler in ihrer Freizeit für die Gesundheit und das Wohlergehen anderer ein.

Welche Aufgaben hat die Bergwacht?

  • Verletzten Bergsteigern helfen und Leben retten
  • in Zusammenarbeit mit der Polizei tödlich Verunglückte bergen
  • Im alpinen und unwegsamen Gelände Erste Hilfe leisten
  • In Krisenfällen Angehörige betreuen
  • Naturschutzarbeit in ihren Dienstgebieten
  • Rettung aus Höhlen

 

Bergwacht München_Munich Mountain Girls Hanna Hörmann 6
Bergwacht München_Munich Mountain Girls Hanna Hörmann 6

Wer macht bei der Bergwacht München mit?

Aktuell zählt die Bergwacht München ungefähr 200 Mitglieder

  • davon 125 aktive Mitglieder,
  • sieben Bergwacht-Ärzte,
  • 40 Anwärter

Anwärter werden: Wie kann man bei der Bergwacht mitmachen?

Anwärter heißen diejenigen, die sich bei der Bergwacht noch in der Ausbildung befinden. Hannas Partner Ben möchte Anwärter werden.

Ben ist seit vielen Jahren als Freizeitsportler in den Bergen unterwegs. Nun hegt er den Wunsch, sich bei der Bergwacht zu engagieren und somit etwas an unsere Gesellschaft zurück zu geben.

An einem Samstag im Februar 2018 hat sie ihn zur Anwärterfahrt (so etwas wie eine erste Aufnahmeprüfung) begleitet und so einen Einblick in die Arbeit der Bergwacht gewonnen.

Frauen bei der Bergwacht München_Munich Mountain Girls Hanna Hörmann 6

Anwärter werden: Die Aufnahmeprüfung

Um sieben Uhr morgens parken wir unser Auto bei sibirischen Temperaturen hinter dem Tunnel am Spitzingsee. Um nicht sofort einzufrieren, packen wir so schnell wie möglich alles zusammen und steigen zur Maxlrainer Bergwacht-Hütte auf.

Dort warten schon Bens heutige Prüfer Lutz und Michael mit einer Tasse Kaffee und hohen Erwartungen auf uns.

Die Maxlrainer Bergwacht-Hütte macht zwar von außen den Eindruck einer gemütlichen Alpenhütte, ist aber in Wirklichkeit ein Basislager für Bergsicherheit. Wir erhalten eine kleine Führung durch die Hütte: Zusätzlich zu ein paar Schlafplätzen, einer Kochzeile und einer einfachen Toilette befinden sich in der Hütte unter anderem mehrere Erste Hilfe-Koffer, ein Rettungsschlitten und die aktuellen Wetter- und Lawinenlageberichte.

Die Lawinenlagebesprechung gehört auch zum ersten Teil der Prüfung für Ben. Der Bericht von heute sagt mit Lawinenwarnstufe 2 „mäßige Lawinengefahr“. Doch die Lawinenwarnstufe an sich genügt nicht als Information der Tourenvorbereitung. Gemeinsam mit Lutz und Michael besprechen wir den gesamten Lawinenlagebericht, dazu behandeln wir Themen wie

  • kritische Hangrichtungen,
  • den aktuellen Schneedeckenaufbau,
  • die Wetterprognose für den Tag,
  • die aktuell bestehenden Gefahrenmuster für Lawinen,
  • Windstärke und -richtung sowie
  • Gefahrenstellen

Anwärter werden: Touren mit der Bergwacht

Anschließend besprechen wir die anstehende Tour, die als Eingangstest dienen soll: der Klassiker „Rotwand-Reibn“.

Prüfling Ben legt die Tourenbeschreibung ausgedruckt vor und gemeinsam wird die Reibn bis ins Detail besprochen. Obwohl die Rotwand-Reibn ein Klassiker in den Bayerischen Alpen ist, ist die Tour neu für uns beide.

Also überfliegen wir die Höhenmeter, die Anforderungen, die Schwierigkeiten und mögliche Gefahrenstellen.

Gut vorbereitet steigen wir zum Rotwandhaus auf. Weiter geht es bei Sonne und eisiger Kälte zum Auerspitz. Von dort fahren wir ab und steigen wieder Richtung Miesingsattel auf.

Unterwegs treffen wir auf eine kleine, vor wenigen Tagen von selbst abgegangene Lawine zwischen Auerspitz und Miesingsattel. Dies nimmt Lutz zum Anlass, um das Wissen von Ben zu testen. Dabei kommen Fragen auf wie:

  • Welches Gefahrenmuster hat das Schneebrett ausgelöst?
  • Hätte diese Lawine Skitourengeher gefährden können?
  • Nach welchem Muster würde man diese Lawine am Besten nach Verletzten und Verschütteten absuchen?

Abschließend findet vor dem Taubensteinhaus bei -22 Grad Celsius eine kleine Auswertung statt:

Lutz und Michael fragen, warum Ben zur Bergwacht möchte, wie er sich die Ausbildung und dann später auch sein Engagement bei der Bergwacht vorstellt.

Und ich frage ich mich, warum dieses Abschlussgespräch nicht im Taubensteinhaus bei einem Stück Kuchen stattfindet. Schlussendlich darf sich Ben über einen bestandenen Test freuen und wir fahren glücklich und ausgepowert zum Parkplatz ab. Wer weiß – vielleicht habe ich ja auch Gefallen an einem Ehrenamt bei der Bergwacht München gefunden?

( Keine ) Frauen in der Bergwacht

„In manchen Bergwachten sind nach wie vor wenige oder keine Frauen aktiv“, bedauert Lutz.

„Dabei freuen wir uns über jeden Nachwuchs. Egal ob weiblich oder männlich. Im Moment sind die Mädels leider noch etwas in der Unterzahl. Frauen bringen Ausgeglichenheit in eine Gruppe. Zudem ist es bei weiblichen Verletzten von großem Vorteil, auch weibliche Einsatzkräfte dabei zu haben.“

 

Dass es tatsächlich Bergwachten geben soll, die noch keine weiblichen Mitglieder zulassen, beschäftigt mich beim Aufsteigen noch länger.

Eigentlich habe ich mich als Frau in meinem Leben noch nie benachteiligt gefühlt. Und Frauen von einer Vereinigung, einer Organisation oder einem Verein kategorisch auszuschließen, ist mir in meinem Weltbild völlig fremd.

Je länger ich mit meinen Ski durch die Berge laufe und über diese Tatsache nachdenke, desto betroffener fühle ich mich. Fast werde ich wütend.

Ich denke, in unserer Gesellschaft können wir es uns nicht erlauben, auf starke und engagierte Frauen zu verzichten. Diese Nachricht sollte bei den verbliebenen Männer-Bergwachten doch längst angekommen sein!

 

Bergwacht München_Munich Mountain Girls Hanna Hörmann 2
Bergwacht München_Munich Mountain Girls Hanna Hörmann 6

Was erwartet Anwärter bei der Bergwacht?

Als Anwärter durchläuft man verschiedene Module der Rettung. Hierzu gehören Aspekte wie

  • Wetter und Orientierung am Berg,
  • verschiedene Rettungstechniken,
  • Notfallmedizin und
  • Naturschutzkunde

 

Was darf ein Anwärter?

Was man als Anwärter im Dienst darf, hängt davon ab, welche Ausbildungsmodule man bereits besucht hat und welche Prüfungen schon bestanden sind.

Auch die Erfahrungen, die außerhalb der Bergwacht gemacht werden, wie Alpinklettern und Skitouren, beeinflussen, in welchem Umfang die aktiven Einsatzkräfte die Unterstützung durch die Anwärter einfordern.

Je weiter man in der Ausbildung ist, desto mehr Aufgaben darf man als Anwärter im Einsatz schließlich übernehmen.

Liebe Hanna, danke für deinen Tag mit der Bergwacht und danke an die Bergwacht München. Wir wünschen Ben viel Erfolg bei der Ausbildung.

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