Mein erster 4000er | Eva und Antonia auf dem Nadelhorn (4327m)

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Eva und Antonia sind durch und durch Bergfreundinnen. Sie toben zusammen im Schnee, machen Wanderungen und kraxeln an steilen (Haus)bergen.

Die Beiden haben sich für 2020 vorgenommen, ihren ersten 4000er zu besteigen. Weil die beiden durchziehen, was sie sich auf die Liste schreiben, war es im Sommer soweit: Das Nadelhorn (4327 m) in den Walliser Alpen war ihr Ziel.

Sie erzählen, wie sie sich auf die Tour vorbereitet haben, ob es wirklich so ein Knaller war, wie sie es sich erträumt haben und auch, womit die Tour sie besonders überrascht hat. 

Mein erster 4000er | Die Erwartungen

Antonia: Nicht nur zahlenmäßig war mir die 4 vorne unbekannt. Die Vorstellung, mit Steigeisen in solchen Höhen unterwegs zu sein, hat mich auf unbekannte Art und Weise gefordert und erfüllt.

Eva: Allein schon weil es nichts Höheres in den Alpen gibt, übten 4000er eine gewisse Faszination auf mich aus. Außerdem verband ich mit der Höhe besondere Bedingungen wie Eis und Schnee und hoffte auf ein gewisses Expeditionsfeeling.

Antonia: Wir haben nach Einsteiger-Hochtouren in der Schweiz recherchiert, Leute gefragt, Führer gelesen und uns dann für das Nadelhorn entschieden. Wir waren mit Bergfreunden unterwegs, die schon mehr Hochtourenerfahrung als wir hatten und bei denen wir wußten, dass sie uns mitzuziehen.

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Mein erster 4000er | Die Vorbereitung

Antonia: Ich habe versucht, im Frühjahr möglichst viele Touren unterschiedlichen Charakters zu machen, habe damit meine Ausdauer ausgebaut.

Eva: Körperlich habe ich mich nicht gezielt vorbereitet, da wir eh viel in den Bergen unterwegs waren. Aber wir sind zusammen immer wieder die Technik durchgegangen. Am Balkon haben wir zur Freude der Nachbarn zum Beispiel immer wieder Spaltenrettung geübt.

Antonia: Am meisten hat mich im Vorfeld beschäftigt, wie wohl mein Körper auf die dünnere Luft reagieren wird. Werde ich mal zittrig, wenn es steil wird? (Spoiler: wie so oft zu viele Gedanken gemacht)

Eva: Ich habe mir am meisten Gedanken über das steile Stück am Gletscher gemacht, weil ich mit Steigeisen einfach noch nicht so viel Erfahrung hatte. Außerdem hat mich immer wieder beschäftigt, ob ich fit genug bin für die Tour, da ich so eher langsam bin beim Bergauf gehen. Ich wußte ja nicht, wie ich auf die Höhe reagiere.

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Mein erster 4000er | Die Tour

Antonia: Als wir nach sieben Stunden Autofahrt in Saas-Fee (1.809 m) in der Schweiz ankamen, kam ich aus dem Staunen kam ich nicht mehr raus. Kitschiges Dorf, drüber Blumenwiese, drüber Gletscher. Paradies, oder?

Eva: Mir ging es die Woche vor der Tour körperlich nicht besonders gut und ich musste eine andere Tour deshalb recht spektakulär mit der Rettung beenden. Zwar war ich dann wieder fit, aber psychisch hing mir die Sache natürlich noch nach. Als ich dann in der Schweiz ankam, war ich mir sicher, dass ich die Tour trotzdem probieren will. Aber schon der Aufstieg zur Mischabelhütte mit kompletter Hochtourenausrüstung hat mich ins Grübeln gebracht, da ich mich nicht sehr stark gefühlt habe. Zum Glück haben wir sowohl einen Puffertag als auch eine Akklimatisierungstour eingeplant und somit konnte ich  Tag für Tag schauen, wie ich mich fühle. Meine Stärke kam dann ganz von alleine zurück.

Antonia: Der Tag der Gipfeltour war anstrengend, aber es hat sich gelohnt! Um vier Uhr zum Frühstück, Kurzer Equipmentcheck, eine Mini-Kletterei zu Beginn, Steigeisen an. Sonnenaufgang am Windjoch auf 3.845 m. Schnell weiter, weil der Name dem Platzerl alle Ehre macht. Blankeisstelle konzentriert übersteigen, leichte, ausgesetzte Kletterei am kurzen Seil. Gipfelglück auf 4.327 (viertausenddreihundertsiebenundzwanzig!) Metern. Riegel, Gipfelhighfive.

Abstieg. Nach dem Windjoch an Tempo zulegen, der Gletscher ist um 9 Uhr morgens gut warm! Nach sieben Stunden Tour dann in der Hüte der wohlverdiente Mittagsschlaf. Glück pur!

Während der Tour haben wir als Team ehrlich gut zusammengearbeitet, haben uns richtig eingeschätzt, uns Zeit gelassen und genossen. Der Sonnenaufgang auf über 3000m war spektakulär!

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Eva: Ich fands super, dass wir vier Tage für die Tour eingeplant haben und so kein Stress aufkam. Langsamer Aufstieg zur Mischabelhütte (3.335 m) am ersten Tag, Akklimatisierungstour aufs Ulrichshorn (3.925 m) am zweiten Tag und am dritten dann der Aufstieg zum Nadelhorn und am vierten Tag Abstieg und Heimfahrt. Gerade für weniger Erfahrene kann ich das so nur empfehlen. Vor allem die Akklimatisierungstour, bei der wir schon ein Stück der eigentlichen Tour gegangen sind, unter anderem mein Angst-Stück, hat mich total bestärkt, dass ich bereit bin.

An der Tour an sich fand ich super, dass sie recht abwechslungsreich war (leichte, feine Kletterei, Gletscher, einzelne Stellen etwas vereist und steil, also gemischtes Gelände) und mich gefordert aber nicht überfordert hat - und natürlich der Blick am Gipfel rüber zum Matterhorn.

Antonia: Ich habe zwei Liter Wasser zur Gipfeltour mitgeschleppt und musste mich zwingen zu trinken. Mich hat überrascht, dass ich so wenig Hunger  oder Durst auf einer Tour verspürt habe wie vorher noch nie. Die Höhe fordert den Körper halt doch in vielerlei Hinsicht. Aber meine Atmung zum Beispiel kam  wunderbar damit zurecht.

Eva: Beim Aufstieg gab es zwei Stellen, die ich - sagen wir mal – ganz spannend- fand. Am Gipfel hatte ich dann wirklich etwas Bedenken, wie ich diese Stellen wieder runter kommen soll. Das haben meine Seilpartner auch gemerkt, weil ich bei zwei eisigen Querungen vorher wirklich gejammert und mich unsicher gefühlt habe. Mit gutem Zureden und klaren Ansagen waren sie aber schnell gemeistert und ich fand sie dann selbst nicht mehr so schlimm. Das hat mich selbst überrascht und der restliche Abstieg lief wie geschmiert.

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Mein erster 4000er | Das Fazit

Antonia: Tatsächlich hat mich eine Sache am meisten gefordert, mit der ich vorher nicht gerechnet habe: die Sonneneinstrahlung am Gletscher beim Abstieg. Aber da war das Gipfelerlebnis ja zum Glück noch frisch im Kopf!

Eva: Die Tour war viel zu schnell vorbei! Wir waren um zehn Uhr schon wieder an der Hütte, irgendwie ging alles zack zack. Insgesamt wars wirklich wunderschön, die Aussicht war traumhaft, der Weg spannend, fordernd und auch mal entspannend. Außerdem: mit unserer Chaostruppe ist es einfach immer lustig und schön.

Antonia: Die Zeit in der Schweiz verflog und nach jeder Tour gabs immer Mittagsschlaf, Snacks, Knotenkunde und Ratschzeit. Das war auf jeden Fall der erlebnisreichste Bergurlaub, den wir zusammen bisher gemacht haben.

Eva: Beim nächsten Mal möchte ich auf jeden Fall länger bleiben und noch andere Touren in der Region machen. Ich weiß jetzt, dass Eisquerungen und Abstiege im Schnee nicht so wild sind, ich an meiner Steigeisentechnik arbeiten muss und dass dieser Teil der Schweiz wirklich wunderschön ist.

Antonia: Ich kann die Tour total empfehlen! Du hast deine erste Hochtour mit Bravour gemeistert? Fühlst dich in der Höhe und auf Steigeisen wohl? Go for it!

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