Nordic Team Tirol: Vom Langlauf-Newbie zum Pro

In vier Monaten von Langlauf-Newbies zu Teilnehmerinnen an einem Jedermannsrennen in der Skating Technik auf der 50 Kilometer-Distanz. Geht das?

Die Munich Mountain Girls Meike, Laura und Kaddi haben es ausprobiert. Im vergangenen Oktober waren sie noch komplette Anfängerinnen, im Februar sind sie beim Koasalauf in St. Johann in Tirol gestartet.

Im Erwachsenenalter einen völlig neuen Sport zu erlernen, erfordert Zeit, Geduld und viel Training. Nach nur vier Monaten direkt an einem Wettkampf in diesem Sport teilzunehmen, ist nochmal eine ganz andere Nummer. Meike, Laura und Kaddi haben es trotzdem ausprobiert: Im Oktober waren sie noch Anfängerinnen auf Langlaufski, im Februar sind sie in der Skating Technik auf der 50 Kilometer Distanz beim Koasalauf in St. Johann in Tirol gestartet.

Bootcamps und ein professioneller Trainingsplan

Von 0 auf 50 sozusagen. Zwischen den 0 und den 50 Kilometer lagen vier Trainingswochenenden und ein Trainingsplan für zuhause vom Olympiazentrum in Innsbruck. Los ging es im Oktober auf Skirollern. Im Austragungsort der Nordischen Skiweltmeisterschaft in Seefeld gibt es für ein professionelles Training eine extra angelegte Skirollerstrecke. Anders als Inlineskates klappen Skiroller genau wie Langlaufski nach unten weg. Das ist ungewohnt wackelig und Stürze ließen sich bei den drei nicht ganz vermeiden.

Doch Aufgeben gilt nicht und es folgten Wochen, in denen Meike, Laura und Kaddi bis zu drei Mal pro Woche vor und nach der Arbeit oder der Uni um die Ruderregatta Strecke in Oberschleißheim oder auf dem ehemaligen Flughafen in Neubiberg rollerten. Außerdem stand aufs Langlaufen abgestimmtes Kraft- und Stabilitätstraining auf dem Trainingsplan, Beweglichkeitsübungen und Grundlagen- und Intervallläufe. Die Blackroll und der Physiotherapeut wurden ihre besten Freunde. Bis zu zehn Stunden pro Woche verbrachten sie mit dem Training für den Koasalauf. Die 50 Kilometer waren noch ganz weit weg.

Trainieren mit den Profis in Obertilliach

Zum ersten Mal auf Langlaufski ging es dann in Obertilliach im November. Die Loipen des Osttiroler Orts nutzen viele Profiathleten für ihre Saisonvorbereitung. Die Langlaufanfängerinnen hatten also genug Möglichkeit, sich die Technik der Profis ganz genau anzuschauen – und festzustellen, wie weit sie davon noch entfernt sind: Den Oberkörper nicht zu weit nach vorne kippen, die Füße nicht zur Seite, sondern nach hinten über die Ferse abstoßen, die Füße in der Mitte immer wieder zusammenbringen.

Und dann sollten sie auch noch die verschiedenen Laufschritte verinnerlichen: 1:1 symmetrisch, 2:1 symmetrisch, 2:1 asymmetrisch. Langlaufen fordert Körper und Geist. Wie sie die 50 Kilometer schaffen sollten, konnten sich die Langlauf-Newbies damals noch nicht vorstellen.

In der Zwischenzeit brach der Winter über Bayern herein und vereinfachte das Training. Die drei mussten nicht mehr bis nach Seefeld fahren, sondern konnten auf die Loipen in Dietramszell, Bayerischzell oder Großhartpenning. Im nächsten Trainingscamp in Galtür lief es deshalb schon viel besser, auch wenn Neuschnee, extrem kalte Temperaturen und die stetig ansteigende Loipe hinauf zum Kopsstausee es den Langlaufanfängerinnen nicht grad leichtmachten. Aber, das Auge trainiert mit und das Winterwonderland entschädigte für einiges.

Die Generalprobe: Skitrail im Tannheimer Tal

Beim nächsten Trainingscamp im Tannheimer Tal stand mit dem Skitrail Tannheimer Tal ein „Test-Wettkampf“ an. Kaddi, die es kaum schaffte, den Trainingsplan in ihren (Berufs-)Alltag zu integrieren, und Meike, die darüber hinaus auch noch Knie-Probleme quälten, entschieden sich für die kurze Distanz: 19 statt 36 Kilometer. Laura wählte die vollen 36 Kilometer.

Zum ersten Mal standen die Langlaufanfängerinnen am Start eines Rennens: Wie schiebt man am besten über die Startlinie, und sorgt dafür, dass die Stöcke heil bleiben? Wie teilt man sich Kraft und Kondition am besten ein? Bekommt man es hin, sich hinter einen anderen Läufer zu klemmen und seinen Windschatten zu nutzen? Alles war neu. Im Ziel wussten die drei: Da geht noch mehr! Aber würde es für die 50 Kilometer reichen?

Das Finale: 50 Kilometer skaten beim Koasalauf

Nach dem Skitrail kam, was in einer viermonatigen Trainingsphase ja mal kommen musste: Die Grippe. Kaddi und Laura lagen flach, an Training war nicht zu denken. Auch Meike hatte krankheitsbedingt einige längere Zwangspausen im Trainingsplan.

Von den 50 Kilometer auf die kürzere Distanz von 28 Kilometern ummelden wollte sich aber keine der Drei – dann im schlimmsten Fall lieber aufhören, wenn es gar nicht mehr geht.

Die ersten fünf Kilometer beim Koasalauf warten mit dem knackigsten Anstieg – gleichzeitig wird die Wettkampfstrecke so schmal, dass nur zwei Läufer nebeneinander passen. Für einen Neuling ist das erstmal eine ungewohnt stressige Situation – Gerangel, Stürze, gebrochene Stöcke – auch Meike stürzte und ausgerechnet auf ihr sowieso schon angeschlagenes Knie! Kaddi legte sich wenig später aufs Kinn und sah erstmal Sternchen. Nach dem ersten Anstieg wird die Strecke zwar breiter und etwas flacher, aber es geht weiterhin bergauf. Bei Kilometer 20 war den Dreien klar: Das Schlimmste ist geschafft. Es folgte ein Höhenflug – der aber leider nur bis Kilometer 40 anhielt. Danach machten ein letzter Anstieg, so minimal, dass man ihn kaum sah und kräftiger Gegenwind den Dreien Probleme. Trotz schmerzender Füßen, kaputter Knien oder einer erkältungsgeplagten Lunge, geschafft haben sie es trotzdem alle Drei: 50 Kilometer in der Skating-Technik!

 

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Foto Credits: Charly Schwarz

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