Plötzlich Alpinkletterin – Klettern lernen in Arco

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Vanessa (30), Wirtschaftsinformatikerin, bergverliebt, abenteuerlustig und immer auf der Suche nach dem besten Kaiserschmarren. Die Nordhessin lebt 520km nördlich von München und hat Südtirol als ihre zweite Heimat auserkoren. Neben dem guten Essen genießt sie die Bergluft am liebsten beim Wandern, Klettersteig- oder Hochtourengehen.
"Fünf Tage auf einer Hütte mit Trockenübungen verbringen oder lieber Klettern lernen in Arco?"

Einmal auf dem höchsten Berg Österreichs zu stehen, das wärs! Kontributorin Vanessa hatte viel vor, im Juli 2017.

Doch dann sollte alles anders kommen: Klettern lernen, Alpinklettern sogar. Statt gebuchtem Hochtourenkurs mit Bergführer René ging es nach Arco, an den Gardasee.

Wegen schlechtem Wetter über dem gesamten Alpenraum musste spontan umentschieden werden. Warum also nicht den "alpin klettern lernen"- Kurs vorziehen, der eigentlich erst im Jahr drauf anstehen sollte?! Auf in die Sonne! Klettern anfangen!

Klettern lernen in Arco - Neues Ziel, neues Glück

Montag morgens um 9.00 Uhr ging es los gen Süden: Mit jedem Kilometer, je mediterraner die Umgebung wurde, desto höher stieg – wie vorhergesagt - die Temperaturanzeige im Auto. Drei Stunden später und rund 20°C wärmer fahren wir am Lago di Toblino vorbei durch das wildromatische Sarcatal.

Entlang dem Fiume Sarca geht es weiter Richtung Gardasee. Wir fahren durch Zypressenalleen, Weingärten und Olivenhaine – rechts und links umgeben von steilen Felswänden – bereits von Weitem erkennt man die mittelalterliche Burgruine von Arco, die über dessen Dächern thront. Landschaftlich ist das Trentino einfach traumhaft schön!

René und Karin, die andere Teilnehmerin des Kurses, treffen wir in einem kleinen Restaurant in der Altstadt. Bei Pasta Promodoro und Insalata Mista schmieden wir Pläne für die kommenden Tage. Arco ist DAS Eldorado für Sport- und Alpinkletterer, dort gibt es unzählige Kletterrouten in allen möglichen Schwierigkeitsgraden.

Da sitzen wir also, bei hochsommerlichen Temperaturen und haben im Gepäck lauter Ausrüstung und Kleidung, die eher auf die 0°C-Grenze ausgelegt ist..

Aber dank der vielen sportbegeisterten Touristen gibt es in dem kleinen Städtchen wirklich alles, was das Bergsteigerherz glücklich macht 🙂

So hat uns René erst einmal die richtigen Kletterschuhe verpasst und ich habe gelernt: "Erst, wenn es weh tut, sitzen sie richtig."

Alpin klettern lernen - los geht's

Wir gehen in den Klettergarten Massi di Prabi, direkt neben dem Campingplatz von Arco.

Super zum Einstieg, mit Routen von einer Länge bis maximal zwölf Metern.

Wir starten mit Trockenübungen, lernen die richtige Tritttechnik und unseren nigelnagelneuen Schuhen zu vertrauen.

Besonders in den Abendstunden, wenn die Sonne nicht mehr so viel Kraft hat, ist es wunderschön zum Klettern.

Die nächsten Tage sehen alle so aus:

  • klettern
  • klettern
  • klettern

bis die Füße taub sind und die Hände wund 😉

Das Klettergebiet Muro dell’Asino, am Monte Colodri, dem Hausberg von Arco gelegen, ist perfekt für Anfänger Felsklettern.

Als Sahnehäubchen öffnet sich dort ganz oben ein atemberaubender Ausblick Richtung Riva und zum Nordufer des Gardasees.

Wir haben Klettern im Vorstieg, am Halbseil und das Abseilen geübt – und zwischendurch ein wenig die Spaltenrettung mit Seilrolle in Trockenübung wiederholt 😉

Wir waren fokussiert, konzentriert und hatten einfach nur Spaß. Am Fels ist der Trubel im Tal schnell vergessen, dort ist man unter Gleichgesinnten.

Klettern lernen - macht Spaß, hat er gesagt

Wir sind bereit für unsere erste richtige Mehrseillänge und René hat eine ganz besondere für uns herausgesucht.

2,5 km südlich von Torbole sul Garda befindet sich, direkt an der Uferstraße über einem Tunnel gelegen, der Klettergarten Corno di Bo‘.

Die Lage ist ziemlich cool, da der Gardasee quasi nur einen Sprung entfernt ist. Nebenan liegen einige Boulder, die nur über das Wasser zu erreichen sind.

Die Kletterroute, die wir uns vorgenommen haben, heißt Tony il Telefonista und ist mit sechs Seillängen die längste.

Den großen Telefonmast - den Namensgeber dieser Route - haben wir stets vor Augen.

Die Schwierigkeit hieß: "Adhesion" - also Klettern auf Reibung. Das bedeutet, dass auf den Felsplatten keine wirklichen Tritte zu finden sind, sondern man den Kletterschuh einfach direkt am Fels absetzt - ohne einen kleinen Felsvorsprung oä. zu haben. Das geht dann ziemlich gut, wenn der Fels etwas geneigt ist...

Ein kleines Unwohlsein macht sich breit, denn ich persönlich habe lieber mehr Griffe und Tritte zur Verfügung. Aber wenn nicht jetzt, wann dann?

Also wurden unsere Schuhe auf Herz und Nieren getestet. Wenn man sich darauf einlässt, sich an die Ausgesetztheit gewöhnt, den Schuhen und auch den Haken in der Wand vertraut, macht es wirklich wahnsinnig viel Spaß!

Ich war selten so glücklich, dann endlich unter einem Telefonmast zu stehen. Ich habe es geschafft, bin ein klein wenig stolz und gehe mit mehr Selbstsicherheit aus der Wand.

Die herrliche Aussicht dort oben, die wir ganz für uns allein hatten, war Genuss pur und übertrieben schön. Jetzt wieder runter und ein Sprung ins kühle Nass!

Nach insgesamt 4,5 Stunden – ja, wir haben lange gebraucht, aber immerhin war es unsere erste Mehrseillänge – hatten wir wieder Boden unter den Füßen und gönnten uns endlich die verdiente Abkühlung im Gardasee.

Klettern am Fels Anfänger - mein Fazit

Den Alpinkletterkurs für Anfänger kann ich empfehlen, wenn du:

  • deine Kletterfertigkeiten am Fels ausbauen
  • fit in Knoten- und Seiltechniken werden und
  • selbstständig alpine Mehrseillängenrouten planen und klettern willst

Gerade für Neulinge wie uns war Arco toll, da es dort unzählige Routen auch in den "leichteren" Schwierigkeitsgraden gibt. So kann man sein Können testen und sich dann nach für nach steigern. 

Wer noch nie in der Wand war, sollte vorher in der Halle üben - für den Alpinkletterkurs wird das Beherrschen des Schwierigkeitsgrads UIAA 5 im Vorstieg vorausgesetzt - eine angemessene Fitness versteht sich von selbst 😉

Dank der Spontanität von René hatten wir fünf lehr- und erlebnisreiche Tage in Arco - und dabei jede Menge Spaß mit einem engagierten und höchst kompetenten Bergführer an der Seite.

Zusätzlich bekamen wir hier in Arco laue Sommerabende, an denen man in der Altstadt la dolce vita spüren und den Straßenmusikern lauschen konnte. 

Ich habe das italienische Essen so genossen – Pizza, Pasta und Gelato (mein ganz besonderer Favorit: Avocado Eis!) sowie die Gastfreundlichkeit der Einheimischen.

Und ich war wieder einmal beeindruckt von der gegensätzlichen Natur – dem fjordähnlichen See, den steilen Felshängen und der mediterranen Vegetation, die der Gegend dieses spezielle Flair verleihen.

Im September wollten wir unsere neu erlernten Kletterfertigkeiten im Grödnertal testen - nur leider machte uns der frühe Schnee einen Strich durch diesen Plan. 

Nichts von dem war möglich, was wir uns vorgenommen haben (fest eingeplant waren der Ortler und die Furchetta). So haben wir einige leichtere Schneewanderungen und einen Teil vom Sarntaler Hufeisen gemacht. War auch schön!

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Vanessa Neumann

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Vanessa (30), Wirtschaftsinformatikerin, bergverliebt, abenteuerlustig und immer auf der Suche nach dem besten Kaiserschmarren. Die Nordhessin lebt 520km nördlich von München und hat Südtirol als ihre zweite Heimat auserkoren. Neben dem guten Essen genießt sie die Bergluft am liebsten beim Wandern, Klettersteig- oder Hochtourengehen.
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