Gegen den Uhrzeigersinn durch Slowenien: Ein Reisebericht rund um den Triglav Nationalpark

Triglav Nationalpark Sonja Scheungrab Munich Mountain Girls
Sonja (35) ist am Rand des Bayerischen Walds aufgewachsen und lebt seit dem Studium in München. Sie ist halb Grafikerin, halb IT-Nerd, mag die Berge im Sommer lieber als im Winter und genießt gerne lange, ruhige Touren im Karwendelgebirge

 

"Slowenien hatte ich lange gar nicht auf meinem Reiseradar. Für die Berge erschienen mir die bayerischen und österreichischen Alpen buchstäblich naheliegender, für das Meer habe ich sowieso nicht soviel übrig – so dachte ich zumindest."

Als mir letztes Jahr dann drei Menschen unabhängig voneinander von Slowenien vorschwärmten, hörte ich genauer hin. Letztendlich haben mich die traumhaften Bilder von der Soča und den Julischen Alpen überzeugt und das nächste Reiseziel stand fest!

Triglav Nationalpark: Ein mal gegen den Uhrzeigersinn rund herum

 

Der Triglav Nationalpark liegt in den Julischen Alpen im Nordwesten Sloweniens, an der Grenze zu Italien und Österreich. Die Julischen Alpen gehören zu den Südlichen Kalkalpen und erstrecken sich zudem über Teile Norditaliens. Ihr höchster Gipfel steht aber auf slowenischem Terrain. Den Triglav (Dreikopf, 2864 m) sollte jeder Slowene und jede Slowenin einmal im Leben bestiegen haben.

Unsere grobe Reiseroute führt einmal gegen den Uhrzeigersinn durch das Land: Vom Westen des Triglav Nationalparks geht es nach Süden ans Meer um danach in den Osten über die Hauptstadt Ljubljana und schließlich weiter entlang der Berge Richtung Norden zu reisen.

Wer kein Auto besitzt oder es lieber stehen lässt, kann auch gut mit den Öffentlichen reisen. Die Verbindungen mit Bus und Bahn sind sehr gut und dabei preiswert – empfehlenswert ist insbesondere die Panoramastrecke von Jesenice nach Nova Gorica.

Triglav Nationalpark:
Wanderhighlights

 

Trenta | Wanderung zur Soča-Quelle

Die Soča war das, was mich an Slowenien-Fotos am meisten angezogen hatte. Sie ist einer der letzten Wildflüsse Europas. Solche Farben habe ich noch bei keinem anderen Fluss gesehen. Ich wurde nicht enttäuscht: Vor Ort wirkte das Smaragdgrün und Helltürkis des Wassers noch intensiver.

Der Soška-Pot (Soča-Trail) verläuft von der Stadt Bovec im Südwesten bis zur Flussquelle im Zentrum des Triglav Nationalparks das Soča-Tal entlang. Wir starten beim Nationalparkzentrum in Trenta Richtung Quelle. Der Weg ist gut ausgeschildert (»soška pot«) und leicht zu gehen, verläuft durch Wald, über Brücken und mit vielen Gelegenheiten, die Füße ins Eiswasser zu tauchen. Trotz des sonnigen Wetters sind wir fast die Einzigen auf der Tour. Erst auf dem letzten Abschnitt, den man nur zu Fuß erreicht, ist etwas mehr los. Die letzten Meter geht’s über einen schmalen, drahtseilversicherten Steig zur Quelle. Je nach Niederschlagsmenge der vorherigen Wochen, schießt das Wasser weiter oben oder unten aus dem Fels – ein tolles Fotomotiv und die perfekte erste Tour unseres Urlaubs!

 

STECKBRIEF
  • Anfahrt: mit dem Auto direkt nach Trenta oder mit der Bahn nach Bovec, ab dort mit dem Bus nach Trenta
  • Ausgangspunkt: TNP Info Centre Dom Trenta. Alternativ kann man den kompletten Weg ab Bovec gehen und mit dem Bus zurückfahren
  • Dauer (Aufstieg/Abstieg): ca. 2,5 h / 2 h netto
  • Länge: 12 km hin- und zurück ab Trenta. Brutto ein gemütlicher ganzer Tag mit Stopps am Fluss, Hütten-Einkehr und vielen Fotopausen. Länge der Variante ab Bovec: ca. 20 km einfach
  • Höhenmeter: 500 ab Trenta
  • Hütte: Koča pri izviru Soče, 20 min vor der Quelle entfernt. Unbedingt den Topfennachtisch probieren!
  • Übernachtungsmöglichkeit: Info Center und einige kleinere Pensionen in Trenta (Reservierung empfohlen), viele Hostels und Hotels in Bovec

Bovec | Tour auf den Svinjak (»Schweinerüssel«)

Die Gemeinde Bovec liegt im Süden des Triglav Nationalparks und bietet einen Rundum-Bergblick – am auffälligsten zeigt sich im Osten der Svinjak, das »Matterhorn von Bovec« – dabei ist er mit seinen 1653 Metern gar nicht mal so hoch. Die Tour startet im Dörfchen Kal Koritnica und sollte uns nach der Aufwärmtour am Vortag etwas mehr Kondition abverlangen. Der Weg geht ziemlich steil durch den Wald, bietet jedoch immer wieder fantastische Ausblicke.

Die letzten 200 Höhenmeter sind dann etwas spannender: Der Weg ist teilweise ausgesetzt und man gelangt kraxelnd über einen Grat zum Gipfel. So mächtig, wie man ihn von unten gesehen hat, so beeindruckend ist nun auch der Blick vom Gipfel ins Tal – und auch der Tiefblick auf die Soča ist eindrücklich.

Wir steigen auf demselben Weg ab – Konzentration und ein gutes Profil sind definitiv empfehlenswert. Zur Abkühlung klettern wir an diesem sehr heißen Sommertag auf dem Rückweg noch hinunter zum Fluss Koritnica, der nur ein wenig weiter in die Soča mündet.

 

STECKBRIEF
  • Anfahrt: Auto oder Bahn
  • Ausgangspunkt: Dorf Kal Koritnica, ca. 4 km von Bovec, oder direkt in Bovec starten
  • Dauer (Aufstieg/Abstieg): 3,5 h / 3 h netto
  • Länge: ca. 12 km hin und zurück
  • Höhenmeter: 1200
  • Hütte: keine am Weg
  • Übernachtungsmöglichkeit: viele Hostels in Bovec

Gozd Martuljek | Ausklangs-Wanderung zu einer Almhütte und zwei Wasserfällen

Nach ein paar Tagen Zwischenstopp in Ljubljana, der Erkundung von einigen Höhlen und einem Aufenthalt am Meer steht der Abschied von Slowenien bevor. Die letzten Tage wollen wir noch einmal in den Bergen verbringen. Inzwischen haben wir den Triglav Nationalpark einmal fast umrundet und suchen uns eine kleine Tour in der Nähe von Kranjska Gora, im Nordosten des Parks, aus.

Wir haben ein bisschen Probleme, den Ausgangspunkt zu finden und laufen kurzerhand einfach den gut ausgebauten Fahrradweg bis zum Martuljek-Bach entlang. Ab dort führt ein einsamer Weg am Bachrand weiter – ein Steinmandl-Wald zeugt davon, dass vor uns schon andere Menschen dort gewesen sein müssen. Wir haben die ganze Zeit über eine fantastische Sicht auf die Bergkulisse. Am auffälligsten ist dabei der Špik, der in etwa so aussieht, wie er klingt. Wir stoßen bald wieder auf den »richtigen« Weg, der bergauf in den Wald, vorbei an einem hübschen Wasserfall führt.

Auf der Almhütte gibt’s hausgemachte Eintöpfe, Limonaden und Schnaps – da lässt es sich gut eine Weile aushalten. Der anschließende Weg zu einem zweiten Wasserfall ist etwas steiler und fordert mit kleinen Kletterpassagen noch einmal ein wenig Konzentration.

STECKBRIEF
  • Anfahrt: Auto / mit der Bahn nach Jesenice, ab da mit dem Bus nach Gozd Martuljek
  • Ausgangspunkt: Dorf Gozd Martuljek, ca. 5 km /10 min von Kranjska Gora
  • Dauer (Aufstieg/Abstieg): 1,5 h zur Alm, nochmal 1,5 h zum oberen Wasserfall / 2,5 h mit Wasserfall, 1 h ohne Wasserfall retour
  • Länge: 9 km hin und zurück
  • Höhenmeter: 200 hm zur Alm, nochmal 400 hm zum Wasserfall
  • Hütte: Hütte Brunarica Pri Ingotu
    Übernachtungsmöglichkeit: Kranjska Gora (Wintersportort mit vielen Hotels und Pensionen) oder Jesenice

Was man sonst noch in Slowenien unternehmen kann

Man kann ohne weiteres mehrere Wochen nur in den slowenischen Bergen verbringen, ohne dass es langweilig werden sollte. Wen es auf die höheren Berge zieht (Triglav, Jalovec, Kanjavec oder Špik), sollte entsprechend ausgerüstet sein oder ein paar Wochen später als wir starten: Die meisten 2000er hatten um die Zeit (Mitte/Ende Juni) noch einiges an Schnee und viele der Hütten öffnen erst ab Anfang Juli (Winterräume vorhanden).

Aber auch abseits der Alpen gibt es viel zu entdecken:

  • die Škocjanske Jame (Höhlen von Škocjan). Eine riesige Tropfsteinhöhle mit unterirdischem Fluss, erinnerte mich an das Zwergenreich Moria aus Herr der Ringe
  • die Hauptstadt Ljubljana. Wer dort die Berge vermisst sollte die Burg ansehen
  • Piran. Ein malerisches Städtchen an der Adria. Dort ist mir aufgefallen, dass ich doch etwas für das Meer übrig habe. Von dort ist es nur eine halbe Stunde nach Triest und ein Abstecher nach Italien somit nicht weit
  • Panoramazugstrecke der »Wocheinerbahn« von Jesenice nach Nova Gorica. Die kürzeste Verbindung von Ost- nach Westslowenien mitten durchs Gebirge

Mein persönlicher Tipp: Es hat sich immer bewährt die Bergschuhe anzuziehen. Am Ende wurde aus jeder geplanten Flaniererei eine Wanderung und jede harmlos aussehende Tour bot anspruchsvollere Abschnitte. Nur am Bledsee, der Touristenhochburg Nr. 1, dachte ich, ich kann auf die Bergstiefel verzichten, nur um dann mit Chucks auf den Aussichtsspot zu rutschen …

Alle Touren, bis auf die zum Krn, werden im Tourenführer »Nationalpark Triglav« von Wolfram Guhl beschrieben, den Du zum Beispiel hier bestellen kannst. Die Krn-Tour wird hier grob beschrieben.

{Dieser Beitrag wurde nicht gesponsert}

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