Anja Woertge

Als Anja klein war, bekam jeder, der sie fragte, was sie später mal werden will, eine sehr klare Antwort: Skilehrerin! 

Seit sie sich mit gerade mal drei Jahren bei den Eltern einen Platz im Skikurs erbettelt hatte, ist Skifahren für sie gleichbedeutend mit Freiheit und Glück.

Später ist Anja aber Modejournalistin geworden. Und seit sie vor fünf Jahren für einen Job von Berlin nach München kam, ist auch die Liebe zu den Bergen wieder erwacht.

Kürzlich hat sie sich als Journalistin und Stylistin selbstständig gemacht und wird sich nun auch im Beruf noch mehr mit Outdoorsport-Themen und Outdoor-Mode beschäftigen.

Mit ihrem Blog mountainista.de möchte Anja “ganz normale” Mädchen und Frauen ermutigen, sich in die Berge zu trauen und gibt Tipps zur passenden Kleidung und Ausrüstung für Skitouren und andere Bergabenteuer.

Du wohnst seit 2012 in München. In welchem Stadtteil fühlst du dich am meisten zuhause und warum?

Als ich vor fünf Jahren nach München gekommen bin, wollte ich zentral aber doch in der Nähe eines großen Parks wohnen und so bin ich in Schwabing gelandet.
Ich mag den Stadtteil wegen seiner schönen Häuser, Straßen, Cafés und Restaurants.

Seit mein Bruder vor einem Jahr von Berlin nach Haidhausen gezogen ist, bin ich auch öfter dort. Es ist ein bisschen alternativer da. Würde ich nicht in Schwabing leben, wäre Haidhausen meine zweite Wahl. Es ist wie ein kleines Dorf mitten in der Stadt.

Was ist dein Lieblingsort in München und warum?

An Schwabing genieße ich vor allem die Nähe zum Englischen Garten. Ich liebe den wilderen Nordteil hinter dem Stadtring. Dort gehe ich gern joggen oder drehe eine Runde mit dem Rad. Außerdem gibt es immer genug Platz, um sich in Ruhe ins Gras zu legen und zu lesen.

Beim Hirschau Biergarten spiele ich ab und an Tennis. Dieser Teil des Englischen Gartens ist so groß und weitläufig, dass ich mich sogar schon verlaufen habe und unfreiwillig länger joggen musste als geplant 🙂

Wo fühlst du dich in München den Bergen am nächsten?

Als ich noch beim Burda Verlag gearbeitet habe, konnte man an guten Tagen von unserer Requisite aus – also dem Raum, in dem die Kollektionen aufbewahrt und gestylt werden – die Berge sehen. Das war natürlich mein Lieblingsort bei der Arbeit: Mode und Berge – ist doch klar, oder? 😉

Heute ist es die Wohnung meines Bruders. Er hat eine ganze Berg-Bibliothek im Wohnzimmer, einen Wandschrank nur für Outdoor-Equipment und an den Wänden hängen seine wunderschönen Bergfotos, die er auf unseren Touren schießt.

Er hat auch viele der Bilder auf meinem Blog und Instagram-Account geschossen.

Wo trifft man dich auf keinen Fall?

Am Wochenende im Club. Es ist seltsam, aber während man mich in meiner Berliner Zeit dort am wahrscheinlichsten gefunden hätte, gehe ich in München nicht so gern feiern. Dann stehe ich lieber früh auf und gehe in die Natur. Das Leben hier ist so viel gesünder!

(Foto: Spaltenbergungs-Kurs am Dachstein)

Erzähle uns von deiner ersten Erinnerung an die Berge! Weißt du noch, wann du das allererste Mal in den Bergen warst und was du da gemacht hast?

Wir haben seit meiner frühsten Kindheit viele Urlaube in den Bergen verbracht. Vor allem im Winter.

anja-woertge-mountainista-munichmountaingirls-berg-blog-muenchen-kinderfoto-kinder-skifahren

Eine besondere Erinnerung habe ich an eine Wanderung im Sommer: Wir mussten schrecklich früh aufstehen. Ich glaube, es war sogar noch fast dunkel. Aber als wir dann auf dem Berg oben waren und im Sonnenaufgang die frisch gebackenen Croissants meiner Mutter gegessen haben, waren die Qualen des Aufstehens vollends vergessen.

Was bedeuten die Berge für dich?

Freiheit! Wenn ich in den Bergen bin, kann ich einfach vollkommen abschalten. Das war schon während der Schulzeit so. Wenn ich gestresst bin oder ein anstrengendes Training absolviere, denke ich an die Berge und gleich geht alles viel leichter.

Was machst du in den Bergen am liebsten und warum?

Am liebsten gehe ich Skitouren oder Freeriden. Vielleicht liegt es daran, dass ich schon als Kleinkind mit meinen Eltern in der Kraxe beim Skifahren dabei war.

Schnee ist mein Element. Ich warte jeden Herbst sehnsüchtig auf den ersten Schnee und wenn er dann in der Luft liegt, wenn ich ihn schon riechen kann, bin ich unglaublich glücklich.

Wo ist dein Lieblingsspot in den Bergen?

Über den Wolken. Dieses Gefühl, wenn du im Nebel zu einer Skitour aufbrichst und das Licht langsam immer heller wird und plötzlich stößt man durch die Wolkendecke und vor dir breitet sich in vollem Glanz das schneebedeckte Bergpanorama aus. Das ist so unbeschreiblich schön!

Von wo hat man deiner Meinung nach die schönste Aussicht?

Den schönsten Blick hat man tatsächlich von den höchsten Bergen. Vor zwei Jahren haben wir mal ein paar Tage auf der Mantova Hütte auf 3500 Meter Höhe am Monte Rosa verbracht. Von dort hatte man einen gewaltigen Ausblick auf ein tolles Bergpanorama. Wenn es wolkig war sah man nur das riesige Massiv des Mont Blanc aus der Wolkendecke herausragen.

Oder letztes Jahr, als wir im Juli auf den Wilden Freiger (3.418 m) an der österreichisch-italienischen Grenze gestiegen sind, da haben wir die meiste Zeit des Aufstiegs im eisigen Nebel verbracht.

Während andere sich am See gesonnt haben, haben wir uns ewigen Eis die Nasen abgefroren, aber der Ausblick vom Gipfel hat uns dann für alles entlohnt.

Was ist dein liebstes Berg-Foto zur Zeit und warum?

Ein Bild, das mein Bruder von mir bei unserer letzten Skitour im April unterhalb des Drachenkopfs gemacht hat. Dieses Tal ist einfach märchenhaft. Dort möchte ich unbedingt im Sommer noch einmal hin, wenn man dort auch baden kann.

Welche Tour muss man unbedingt gemacht haben und warum?  

Eine der skifahrerisch schönsten Touren haben wir auf die Hochvernagtspitze in Tirol gemacht.

Bei dieser Zweitagestour steigt man am ersten Tag bis zur Vernagthütte auf, am zweiten Tag fährt man dann vom Gipfel auf weiten Powderhängen bis ins Tal ab.

Eine unvergessliche Sommer-Tour ging von Gries auf den Hohen Seeblaskogel. Das ist schon eine anspruchsvolle Tour mit Gletscherkontakt, auf der man ganzjährig Steigeisen und Eispickel braucht, aber die Landschaft ist wunderschön abwechslungsreich und der Ausblick vom Gipfel ist atemberaubend.

Was nimmst du immer mit in die Berge (in deinem Rucksack) und warum?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man auch im Herbst und Frühjahr in gewissen Höhenlagen unbedingt Steigeisen und Eispickel dabeihaben sollte, denn gerade in Nordlagen verstecken sich gern nochmal Eis- oder Schneefelder.

Sonnencreme! Ganz wichtig!

Und ein GPS-Gerät und einen Ersatzakku würde ich auch jedem empfehlen.

Und ich habe immer ein zweites T-Shirt und ein Paar Socken zum Wechseln dabei.

Was war deine allzeit beste Anschaffung für die Berge und warum?

Mein Skitouren Rucksack von Deuter! Ich habe mir den Guide 40+ SL gekauft. Der ist extra für Frauen geschnitten, was ich angenehm finde, weil ich nicht die Größte bin und Rucksäcke bei mir sonst oft an den Schultern abstehen.

Er ist groß genug für Mehrtagestouren, lässt sich aber auch etwas verkleinern, so dass er auch für kleinere Touren taugt. Außerdem hat er die passenden Fächer, Laschen und Schnallen für alles, was man braucht und ein seitliches Eingriffsfach, sehr praktisch!

Was empfiehlst du Neulingen, die in die Berge gehen möchten?

Bereitet euch gut vor und nehmt am besten am Anfang jemanden mit, der sich schon auskennt.

Wichtig ist, die Route zu kennen und die passende Ausrüstung dabeizuhaben. Man sieht immer wieder Leute, die mit Turnschuhen bergsteigen gehen oder mit Jeans auf dem Gletscher unterwegs sind. Leiht euch etwas aus, wenn ihr nicht gleich so viel Geld für die Ausrüstung ausgeben wollt!

Auch solltet ihr immer das Wetter beobachten. Das kann sich in den Bergen schnell ändern und selbst auf die besten Wetter-Apps ist nicht immer Verlass.

Schätzt eure Kraft und Kondition richtig ein und übernehmt euch nicht. Und plant immer einen möglichen “Exit”, also eine Möglichkeit, die Tour auf einer Abkürzung abzubrechen, für den Fall, dass das Wetter umschlägt oder jemanden die Kräfte verlassen.

Wenn ihr das beachtet, werdet ihr mit Sicherheit Spaß haben 😉

Was ist deine größte Herausforderung in den Bergen?

Die Fitness. Neben dem Job ist es manchmal gar nicht so einfach, sich ausreichend fit für große Touren zu halten.

Vor unserer letzten 7-Tages-Tour habe ich konsequent über drei Monate fünf Tage die Woche trainiert und dennoch hatte ich bei über 3000 Höhenmetern während der Tour immer wieder das Gefühl, dass meine Kraft und Kondition nicht ausreichen.

Hast du dir für 2017 etwas Besonderes vorgenommen – und wenn ja, was und warum?

Ich spiele mit dem Gedanken, mir meinen großen Traum zu erfüllen und eine Skilehrer-Ausbildung zu machen. Das ist aber natürlich zeit- und kostenintensiv. Aber mal sehen, vielleicht lässt es sich ja im nächsten Winter realisieren.

Hast du eine Lebensweisheit / Motto / Spruch, die dich immer begleitet/n?

Don’t dream it, do it!

Welches Equipment nutzt du, um in den Bergen zu fotografieren?

Meine Bilder sind fotografiert mit:

  • Canon PowerShot G16
  • NIKON D600
  • Panasonic DMC-LX100
  • GoPro HERO4 Silver
  • Canon EOS 450D

von: Thiemo Woertge, Christina Ilchmann und mir selbst

Liebe Anja, vielen herzlichen Dank für das inspirierende Interview mit dir! Die Tourentipps sind klasse - und deine Fotos sowieso. Wir freuen uns, wenn wir im Winter bei dir als Skilehrerin mal ein paar Stunden bekommen 😉 Alles Liebe für dich!

munichmountaingirls-logo-rund-weiß-neu
Möchtest du von neuen Tourentipps und Interviews erfahren?

Melde dich zu unserem Newsletter an 🙂

0 Comments

Leave your comment