Boulderkurs München | Unser Abend mit der deutschen Bouldermeisterin Moni Retschy

Unser Boulderkurs München | im Rahmen unserer Kooperation mit den DAV Sektionen München & Oberland

 

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Bereits letztes Jahr waren wir in Kooperation mit den DAV Sektionen München & Oberland unterwegs - und haben unsere Zusammenarbeit für 2018 ausgeweitet. Der Boulderkurs mit der deutschen Bouldermeisterin und Profisportlerin (bis vor wenigen Monaten - August 2017) ist der Start zu vielen weiteren, gemeinsamen Unternehmungen.

 

Furchtlos hoch hinaus mit Moni Retschy

.... ist nur fast der Titel eines neuen Heldinnen-Groschenromans, mehr überschreibt es das erste Kapitel meiner neu entflammten Leidenschaft.

Ich war in der letzten Zeit ein wenig Boulder- und Klettermüde geworden, hatte nicht mehr so recht Lust, in die Halle zu gehen, auch draußen am Fels fand ichs eher fad. Irgendwie fehlte die Motivation.

Klar, das ist nicht so tragisch, dachte ich mir, dann lege ich den Fokus halt auf eine der anderen drölfzig Sportarten, irgendwas macht immer gerade am meisten Spass. Trotzdem hat mich meine Kletterunlust gestört. Ich wollte wissen, woran es liegt, dass eine Sache, die noch vor kurzem eine ziemlich warm lodernde Leidenschaft war, so plötzlich unwichtig erschien, mir der Gedanke daran sogar manchmal schlechte Laune machte und es mich überhaupt nicht störte, wenn eine Kletter- oder Boulderverabredung für den Abend absagte.

Ich las Texte über Motivation und tote Punkte, fuhr zur Konfrontationstherapie in die Boulderhalle, schaute Wände an und bekam schon vom auf-der-Matte-stehen Knieschlottern – oder schlechte Laune.

Kann sein, dass die alte Feindin Angst wieder vorbeigeschaut hat?

Als ich vor Jahren das erste Mal in Kletterschuhe schlüpfte, hatte ich Höhenangst beim kleinsten Abgrund, nach ein paar Monaten Überwinden und dem Wissen, dass ich mir bei einem Sturz beim Bouldern nicht alle Knochen breche würde, ging es langsam aufwärts, im wahrsten Sinne des Wortes.

Jetzt kann ich ausgesetzte Wege gehen, habe in den Bergen schon lange keine Absturzangst mehr gehabt, und habe dank regelmäßigem Sturztraining in der Halle auch nicht mehr so viel Bammel vorm Fallen ins Kletterseil.

Es war alles ganz okay mit mir und der Höhenangst, bis zu dem Punkt, an dem ich beim Bouldern merkte, dass es irgendwie nicht mehr weitergeht.

Die einen Boulder waren zu einfach, die anderen zu schwer – oder zu hoch, überhängend, krampfig zu halten. An dem Punkt kam die Unlust, eine Unlust aus Angst, mir könnte was passieren, wenn ich mich diesen Höhen/Überhängen/kleinen Griffen stelle.

Ob da überhaupt was passieren könnte, habe ich gar nicht richtig überlegt. Es war ja auch egal, ich hatte eh keine Lust auf Klettern.

Neustart & neue Chance | Mit Moni Retschy an die Wände

Dass ein paar von uns Munich Mountain Girls von den Sektionen München & Oberbayern des Alpenvereins die Möglichkeit bekamen, mit der mehrfachen Bouldermeisterin Moni Retschy im Kletter- und Boulderzentrum Freimann zu trainieren, schlackerten meine schon ganz hornhautarmen Finger aufgeregt.

Ich sah eine nicht unwahrscheinliche Chance, einen neuen, frischen Zugang zu diesen ganzen bunten Griffen und Tritten an den Nordmünchner Holzwänden zu bekommen.

Moni wartete auf uns sechs Munich Mountain Girls Hanna, Constanze, Nina, Laura, Anja und mich im Kassenbereich der DAV-Kletterhalle in Freimann.

Eine gleich grundsympatische grinsende Frau mit beeindruckenden Schultern stand da vor uns, geduldig wartend, bis wir endlich umgezogen, mit Kletterschuhen in der Hand und Aufregung in den Beinen nach unten zum Boulderbereich gingen.

Wann trainiert man als Normalo schon mal mit einer Profisportlerin? Eben! Selten! Oder nie.

Dementsprechend erwartungsvoll standen wir uns gegenüber.

Los geht's - Aufwärmen | Unser Boulder Kurs München mit Moni

Moni sagt: „Aufwärmen“. Ich denke: „Armkreisen“ und gleichzeitig „langweilig“.

Aber ne, falsch gedacht. Wir gehen gleich an die Wand, suchen uns einfache Boulder, klettern hoch, klettern runter, bekommen jetzt schon Herzklopfen und rote Köpfe.

Schön langsam anfangen, der Körper muss warm werden und ich soll spüren, wo der Körperschwerpunkt ist und wie meine vom Mittagessen noch nudelschwangere Mitte sich an der Wand verhält.

Dazu üben wir loslassen: Für Sekundenbruchteile berührt keine Hand einen Griff und beide Hände schnappen sich kurz vor dem Kippen einen Halt weiter oben.

So schnapp-torkeln wir uns durch die Wellenwand des Boulderbereichs und stellen fest, dass man viel weniger schnell hintenüber fällt, als wir vorher dachten.

Auf die Frage, ob Moni „sowas“ (=irgendwie alberne, anfängermäßig scheinende Spielchen) in ihr Training einbaut, antwortet sie

„Klar, ich überlege mir immer vorher, wie ich mich warm mache und gleichzeitig Spass dabei habe. Aufwärmroutine ist wichtig, wenn man sie verfolgt, wird sie zur Gewohnheit. Es ist auch wichtig, immer wieder neue Reize zu setzen, auch schon beim Aufwärmen, dann wird’s nie langweilig.“

Sich aus Faulheit – oder weil man es für unnötig hält – nicht aufzuwärmen ist ziemlich leichtsinnig. Nur ein Körper, der nicht knarzt und steif ist, ist bereit für die Wand.

Wie bei vielen Sportarten ist es beim Bouldern besonders wichtig, den Körper auf die kommende Belastung vorzubereiten, auch mental.

Fallen üben & Lektion "Schöne Füße" | Unser Boulder Kurs München mit Moni

In unserer Gruppe ist das Eis nach der Hochschnapp-Übung endgültig gebrochen, und da wir uns alle einig sind, dass die Angst vor Stürzen eines unserer größten Hemmnisse ist, besser zu werden, üben wir genau das: Fallen.

Wir springen aus verschiedenen Höhen ab und kullern über die Matten.

Lässt man sich beim Aufprall auf den Rücken fallen und rollt nach hinten ab, ist die Belastung auf die Gelenke viel niedriger als wenn man versucht, nach dem Absprung stehen zu bleiben.

Logisch ist es, das zu üben, gemacht habe zumindest ich das noch nie so bewusst.

Monis letzte Lektion, bevor es ans richtig Eingemachte geht, heißt „Schöne Füße“. Wir nehmen uns Boulder vor, die uns keine Probleme bereiten, und üben, leise und auf der Schuhspitze anzutreten.

Nur wer nicht mit dem ganzen Vorderfuß auf dem Tritt steht, hat den erforderlichen Bewegungsspielraum, den es für 180% Beweglichkeit in der Route braucht.

Gleichzeitig wird das Stehen auf kleinen Tritten geübt.

Spüren, Fühlen & "Endgegner wählen" | Unser Boulder Kurs München mit Moni

Jetzt schon ist klar: Was wir alle noch ein bisschen besser lernen müssen, ist Spüren.

„Spürst du deine Füße?“ fragt Moni immer wieder (und damit meint sie nicht die Druckstellen der engen Kletterschuhe) und „Spürst du das Spiel der Arme?“.

Es geht darum, zu lernen, auf den Körper zu hören, zu merken, dass ein Stand, eine Position, ein Hebel sich besser anfühlen, eher zum Ziel führen, wenn der Körperschwerpunkt ein wenig verändert oder der Fuß ein bisschen gedreht wird.

Bouldern ist kein Sport, bei dem allein der Kopf das Sagen haben sollte.

Ich merke, dass ich im schnellen Alltag viel zu oft viel zu fremdgesteuert durch den Tag rase. Meistens bin ich schon beim übernächsten Schritt auf der Liste, darum, wie Dinge zu schaffen sind, wie ich möglichst viel in einem Tag unterbringe.

Beim Bouldern geht es nicht primär darum, Geschafftes abzuhaken, sich immer weiter zu fordern und Grenzen zu verschieben ist mindestens genauso relevant. Das funktioniert nicht, solange der Kopf über das Gefühl regiert.

Fühlen, ob die Bewegung stimmt, üben wir jetzt.

Jede von uns wählt sich einen Boulder-Endgegner in der Halle, den wir dann alle zu lösen versuchen.

Wir sollen uns beim Betrachten der Route einen Plan machen und dann genau diesen Plan nachklettern.

Nicht nur einmal klappt das überhaupt nicht.

Moni ermahnt uns, auch tatsächlich dem Plan zu folgen, denn nur dann merkt der Körper, wenn sich der Kopf vorher Quatsch überlegt hat.

Und nur dann lernen wir, uns in Routen reinzudenken und uns vorzustellen, wie wir in dieser Route agieren.

So versuchen wir zu spüren, wie sich das anfühlt mit dem Gewicht verlagern, dem Fuß ein wenig drehen, dem Umgreifen und diesem kleinen Moment, in dem man das Gefühl hat, gleich zu fallen.

„Tipp den Griff nur kurz an und sei bereit, dann einfach abzuspringen“ sagt Moni, ich denke mir „okay, passieren kann ja eigentlich nix“ (Fallen hatten wir ausführlich geübt), fühle sechs Augenpaare im Rücken, fasse hoch und ... halte den Griff.

Haaaa, von wegen nur kurz anfassen. Festhalten geht auch!

Kleine Schritte sinds, die helfen, dass der starke Muskel Hirn davon überzeugt wird, dass die vielen anderen Muskeln auch ordentlich was zu sagen haben.

 

Beim Bouldern hört man immer wieder „für diese Route bin ich zu klein“ oder „Mit den Schuhen kann ich nicht präzise stehen“. Zu klein, zu groß, zu schwach... Moni lässt das nicht gelten.

Für jede Körpergröße gibt es eine Boulder-Lösung, für jede Schwäche eine Möglichkeit, sie durch Training auszugleichen.

Krafttraining ist super als Ergänzung zum Bouldern, aber Vorsicht, nicht übertreiben! In den ersten Wochen empfiehlt sie einmal wöchentlich 30 Minuten spezifische Übungen („da gibt’s super Bücher“), dann kann man auf zweimal wöchentlich steigern.

Wenn du merkst, dass eine Schulter schwächer ist, trainiere diese Schulter, wenn die Hüfte nicht flexibel genug ist, stabil an der Wand zu stehen, übe Hüftöffner.

Der Körper sollte ausgeglichen sein, rechts und links, aber auch in Balance zwischen Körper und Geist.

Präzise die Bewegungen zu fühlen ist das Ziel, und immer ein wenig weiter zu gehen als man glaubt, dass möglich ist.

Wer immer nur das bouldert, was er eh kann, wird nicht besser werden. Nur wer sich an Griffe traut, die er glaubt nicht halten zu können, Bewegungen austestet, die er vielleicht noch nie gemacht hat, wer Schwächen erkennt und sie spezifisch trainiert, wird besser werden.

Verkrampfte Finger, wunde Füße & müde, hungrig aber happy

Nach gut zwei Stunden sind wir müde, haben verkrampfte Finger und wunde Füße.

Hanna und Laura sind richtig in Fahrt und nicht mehr von der Wand wegzukriegen, der Rest ist müde und hungrig.

Ich bin froh, die engen Schuhe loszuwerden und spüre meine Fingerspitzen nicht mehr, weil wir zuletzt einen Boulder mit Minigriffen probiert haben. Aber ich brenne für zukünftige Bouldersessions.

„Yoga ist für mich der beste Ausgleichssport zum Klettern“ gibt Moni uns noch mit auf den Weg und ich kann mir – neben einem Weißbier – auch gerade fast nichts Schöneres vorstellen als einmal alle Muskeln kräftig zu dehnen und dann anschließend einfach platt und sehr zufrieden auf der Matte zu liegen.

Und dann, nach ein, zwei Tagen Pause wieder loszulegen an der Boulderwand, mit Springen, Pendeln und ganz viel Spüren!

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Vielen Dank an die DAV Sektionen München & Oberland für den fantastisch reichhaltigen, lehrreichen und schweißtreibenden Kurs mit Moni! 

Hier geht's zum aktuellen Kletter-& Boulder-Kursprogramm 

Hier geht's zu Moni's Webseite

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