3 Tage Lechtaler Höhenweg

munichmountaingirls-autorin-nicole-hillenbrand-lechtaler-hoehenweg-profilbild
Nicole (28), Masterstudentin in den Endzügen, mag es am liebsten etwas luftig und ist meist im Allgäu oder Tirol zu finden, ob beim Berg-/ Klettersteigen, Mountainbiken oder Skitouren gehen.
" 13 Hütten, 100 km, 10 Tage - immer auf 2.000 bis 2.500 Metern ist der Lechtaler Höhenweg Teil des nordalpinen Weitwanderweges 01 und des europäischen Weitwanderwegs E4. "

Nicole ist einen Teil des Lechtaler Höhenwegs gegangen.

In ihrem Bericht gibt sie dir einen persönlichen Einblick in die Tour, was es in der Planung zu beachten gibt und wie du dich am besten vorbereitest.

Die Lechtaler Alpen sind die flächengrößten Gebirge der Nördlichen Kalkalpen. Sogar einen Dreitausender (Parseierspitze 3.036 m) verzeichnet die Gebirgsgruppe für sich. Sie liegen im westlichen Österreich, vor allem in Tirol und einen kleinen Teil in Vorarlberg.

Entlang des Höhenweges gibt es insgesamt 13 Hütten, die für eine Hüttentour gewählt werden können und die Tour (auch durch mehrere Abstiegsmöglichkeiten und Wanderbus) recht flexibel gestalten lassen.

Im Vergleich zu einigen anderen Gebirgsgruppen der Nördlichen Kalkalpen, beispielsweise den angrenzenden Allgäuer Alpen, sind die Lechtaler touristisch weniger erschlossen und weisen damit vielerorts noch einen ursprünglicheren Charakter auf – perfekt also für diejenigen, die etwas Ruhe suchen! 😊

Wir hatten ein Zeitfenster von fünf Tagen und entschieden uns für den Teil von der Frederic-Simms-Hütte bis zur Stuttgarter Hütte.

Vorbereitung und Tourenplanung Lechtaler Höhenweg

Da wir regelmäßig in den Bergen unterwegs sind, können wir uns sehr gut einschätzen, wieviel Kilometer und Höhenmeter wir über einen Tag schaffen.

(Ansonsten ist ein gutes Mittelmaß die „Marschzeitberechnung“: 4 km/h, ca. 400 hm/h -> von den für Horizontal- und Vertikalentfernung errechneten Zeiten wird der kleinere Wert halbiert und zum größeren addiert)

  • Wetter: Die besten Erfahrungen habe ich mit Bergfex oder DAV-Wetter
  • Natürlich die gute alte Wanderkarte
  • Und zusätzlich noch Apps (ich nutze gerne die Alpenvereinaktiv/Outdooractive)
  • Fahrzeiten des Wanderbusses
  • Hüttenreservierungen (vor allem an Wochenenden immer empfohlen!)

Ausrüstung und Tipps für den Lechtaler Höhenweg


(Diese können natürlich je nach Tour und Wetter etwas variieren)

  • 32 Liter Rucksack mit integrierter Regenhülle
  • Erste-Hilfe-Set (inkl. Blasenpflaster)
  • Biwacksack (immer dabei, der ist manchmal Gold wert)
  • Wechsel T-Shirt
  • Fleecejacke/Primaloft
  • Hardshelljacke
  • Kurze Hose/lange Hose
  • Festes Schuhwerk
  • Teleskopstöcke
  • Stirnband/Schildkappe/Buff
  • Sonnenbrille
  • Sonnencreme/Lippenschutz
  • Foto! 😊
  • Wanderkarte
  • Plastikbeutel für Abfall
  • Microfaserhandtuch, Waschbeutel (Deo, Duschgel, Kamm, Zahnbürste, Zahnpasta)
  • Trinksystem 2 L, Essen: Riegel (Tipp: Cliffbar), Nüsse, Bananen, Brot & Käse
  • Taschentücher
  • Taschenmesser/Streichhölzer
  • Unterwäsche/Wandersocken
  • Handy

Für die Hütte:

  • Hüttenschlafsack
  • Hüttenschuhe (FlipFlops sind super leicht, brauchen kaum Platz und perfekt falls man unterwegs in einen See springen will oder doch mal duschen möchte)
  • Stirnlampe (ggf. Ersatzbatterien)
  • Ohrstöpsel
  • Bargeld/DAV Ausweis
  • Bequeme Sachen für die Hütte

Diese Liste kannst du dir hier als .pdf herunterladen und ausdrucken.

Endlich geht es los…oder doch nicht?

Voller Freude und mit gepackten Rucksack machten wir am Vorabend einen letzten Wettercheck. Leider hatten sich die Aussichten um 180 Grad gedreht und für den kompletten nächsten Tag waren Regen und Gewitter gemeldet!

So beschlossen wir am folgenden Morgen aus dem Fenster zu schauen und das weitere Vorgehen spontan zu entscheiden. Wie nicht anders zu erwarten, lachten mir am nächsten Tag die Regentropfen vergnügt in meine schläfrigen Augen. Zum Glück handelte es sich aber nur um ein eintägiges Regenintermezzo.

Somit konnten wir unsere Tour mit 24 h Verspätung starten – bis abends sollte das Wetter an diesem Tag halten.

  1. Etappe: Aufstieg von Stockach zur Frederic-Simms-Hütte

Wir parkten in Stockach (kostenloser Parkplatz, Stand Juli 2017) und stiegen zur Frederic-Simms-Hütte auf (ca. 900 hm, 6 km). Ein schöner Aufstieg:

Anfangs ging es durch ein paar eindrucksvolle Tunnel, die in den stark erodierten Hang eingelassen sind (Stirnlampe ggf. kurz von Vorteil), und stetig hinauf an Bachufern und über Almböden.

Die Hütte liegt wunderschön eingebettet in den Bergen. Bis spätestens 18 Uhr sollte man auf jeder Hütte sein (auch bzgl. Abendessen usw.).

Herzlich empfangen bezogen wir unsere Lagerplätze. Gerade rechtzeitig geschafft bevor der Hagelschauer kam! In der Gaststube spielten an dem Abend zufällig zwei nette Damen Musik, eine sehr familiäre Atmosphäre.

Am nächsten Tag wurden wir um 6 Uhr sanft durch Gittarentöne der Hüttenwirte geweckt. Kurz gestärkt ging es auch gleich weiter zu Etappe 2.

  1. 2. Etappe: Von der Frederic-Simms-Hütte zur Leutkircher Hütte

Da ab Nachmittag das Wetter leider wieder unbeständig gemeldet war (gute Infos und Tipps kann man sich normalerweise immer beim Hüttenwirt holen 😊), beschlossen wir auf die Besteigung der Wetterspitze (Klettern Schwierigkeit II UIAA) zu verzichten und uns auf direkten Weg zur Leutkircher Hütte zu begeben.

Auf einem wirklich malerischen und atemberaubenden Weg ging es Richtung Feuerspitze (bei viel Zeit kann diese auch noch mitgenommen werden), vorbei an dem wunderschönen Hintersee zum Kaiserjochhaus – toller Blick auf den Hohen Riffler mit seinem Gletscher.

Da das Wetter noch gut aussah, beschlossen wir kurzerhand einen naheliegenden Gipfel (Malatschkopf) mitzunehmen.

Tour bis hierhin: ca. 8 km, 1200 hm, Voraussetzung: Trittsicherheit, Schwindelfreiheit, leichte drahtseilversicherte Stellen.

Weiter ging es über Blumenwiesen und kleinen Pfaden, bis wir nach weiteren 1,5 h die Leutkircher Hütte erreicht haben.

Auch hier wurden wir wieder herzlich empfangen und haben noch einen schönen Abend verbracht (Spinatknödel sind sehr zu empfehlen!).

3. Etappe: Von der Leutkircher Hütte zur Stuttgarter Hütte – es kommt mal wieder anders!

Leider war auch für diesen Tag ab nachmittags wieder Regen und Gewitter gemeldet und am nächsten Tag… ja man kann sagen: Weltuntergangsstimmung!

Nun gut, das Wetter und die Berge geben nun mal die Regeln vor.

Spontane Planänderung: Besteigung des Stanskogel (der Hirschpleiskopf kann auf dem Weg zum Stanskogel ohne großen Aufwand mitgenommen werden) und dann Abstieg nach Kaisers (ein laaaaanger Hatscher!) und mit dem Wanderbus zurück zum Auto.

Der Aufstieg zum Stanskogel erfolgt über kleine Pfade, dann durch Schrofengelände (Drahtseile) und zuletzt über festen, dunklen Feinschutt zum Gipfelkreuz (Voraussetzung: Trittsicherheit, Schwindelfreiheit, Klettern Schwierigkeit I UIAA).

Dort oben erwartete uns zum Abschluss noch mal eine gigantische Wolkendecke! 😊

Mein Fazit zum Lechtaler Höhenweg

Trotz dem Hin und Her und der verkürzten Tour waren es wunderschöne Tage und wir werden das Lechtal definitiv wieder in Angriff nehmen!

Wir können bestätigen, dass der Höhenweg noch nicht so überlaufen ist wie manch Andere. Und was uns wieder einmal bewusst wurde:

Eine gute Vorplanung ist absolut wichtig – aber man muss auch spontan bleiben und das Beste draus machen.

Safety first -  die Berge geben die Regeln vor! 😊

Nützliche Links

Zur Tourenplanung kannst du diese Seiten nutzen

munichmountaingirls-autorin-nicole-hillenbrand-lechtaler-hoehenweg-profilbild

Nicole Hillenbrand

Munich Mountain Girl Kontibutorin
Die 28-jährige Fränkin ist in den Endzügen ihres Masterstudiums. Da ihr im schönen Frankenland die „Berge“ zu flach wurden, verlagerte sie zuerst für vier Jahre ihren Lebensmittelpunkt nach München und vor einem Jahr hat sie es ins schöne Allgäu verschlagen. Hier genießt sie vor allem die Nähe zu den Bergen. Am liebsten ist sie zu Fuß, auf dem Bike oder auf den Skiern unterwegs.
Nicole auf Instagram:
munichmountaingirls-logo-rund-weiß-neu.jpg
Möchtest du von neuen Tourentipps und Interviews erfahren?

Melde dich zu unserem Newsletter an 🙂

3 Comments

  1. Astrid 28. August 2017
    Reply

    Wollte eine derartige Tour auch machen. Leider habe ich mir einen Muskelfaserriss im rechten Fuß zugezogen. Die Tour wird nächstes Jahr aber gemacht. Ansonsten ist der Artikel, wie immer, sehr gut geschrieben und die Fotos laden ein auch diese Tour zu machen 🙂

    Lg

  2. Lea 16. September 2017
    Reply

    wow, das sind wunderschöne Bilder und ein wirklich tolles Layout!

    Nächstes Jahr steht für mich eine lange Trekkingreise nach Norwegen an und bin deshalb sehr darauf fixiert jetzt im Herbst/Winter wandern zu gehen. Was sind schöne Wege, die man auch mit schwerem Rucksack gehen kann? Habt ihr auch Erfahrung mit dem Zelten in der Schweiz?

    Liebe Grüße, Lea

Leave your comment